SAVE THE DATE : Netzwerk Zero in Rostock
Tagung für Nachhaltigkeit in Kunst, Kultur & Verwaltung am 24. September 2026
Schon beim Umbau der FRIEDA 23 von einem klassischen, u-förmigen DDR-Schulbau hin zum modernen Kulturzentrum in den Jahren 2012-2014 war klar, dass es auch darum gehen würde, einem ökologisch und sozial nachhaltigen Betrieb Rechnung zu tragen.
Die Verabschiedung der Ziele für Nachhaltige Entwicklung im September 2015 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York schärfte und erweiterte den Begriff von Nachhaltigkeit. Es wurde klar, wie groß die Aufgabe und wie vielfältig die Handlungsfelder auf dem Gebiet sind. Die FRIEDA 23 ist eine Gemeinschaft, ein sozialer Ort, aber eben auch einfach ein Gebäude, das mit seinem Betrieb mehr oder weniger zum Klimawandel beiträgt. Daher liegt ein besonderes Augenmerk auf den Maßnahmen zu Klimaschutz und -anpassung. Die Wirkung der FRIEDA 23 geht aber weit darüber hinaus.
Auswirkungen der Klimakrise in Mecklenburg-Vorpommern
Begriffe: Klimaschutz und Klimaanpassung
Auswirkungen der Klimakrise in Mecklenburg-Vorpommern
Die Auswirkungen der Klimakrise werden im Klimareport Mecklenburg-Vorpommern des Deutschen Wetterdienstes (DWD, 2024) beschrieben:
- ein deutlicher Anstieg der mittleren Jahrestemperatur,
- ein markanter Anstieg heißer Tage mit einer Höchsttemperatur von mindestens 30 Grad Celsius,
- auffällige Änderungen in saisonalen Niederschlagsmustern mit trockeneren Sommer- und nasseren Wintermonaten,
- eine höhere Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Starkregenereignissen und Trockenphasen,
- ein fortschreitender Anstieg des Meeresspiegels mit veränderten Sturmflutrisiken, insbesondere in der nahen Zukunft.
Begriffe: Klimaschutz & Klimaanpassung
Klimaschutz und Klimaanpassung sind zwei notwendige Wege im Umgang mit der Klimakrise. Während der Klimaschutz die Ursachen bekämpft und den Ausstoß von Treibhausgasen senkt, kümmert sich die Klimaanpassung darum, die bereits unvermeidbaren Folgen wie Hitze oder Starkregen zu bewältigen und Risiken zu minimieren.
Gehen beim notwendigen Umbau unserer Gemeinden, Infrastrukturen und Unternehmen Klimaschutz und Klimaanpassung Hand in Hand, bieten sich Potenziale unseren Alltag und unser Wirtschaften lebenswerter und nachhaltiger zu gestalten.
Klimaschutz an der FRIEDA 23
Mit dem Umbau 2014 ist eine PV-Anlage auf dem Dach des Haupthauses installiert worden (Eigentümerin: Stadtwerke Rostock). Dieser Strom wird ins Netz eingespeist. Im Jahr 2025 wurde auf dem Kino-Anbau eine weitere eigene PV-Anlage aufgestellt. Dieser Strom geht in alle Gemeinschaftsflächen, die Server-Räume und den Fahrstuhl. Die Anlage erzeugt rechnerisch mehr als 80% des hier verbrauchten Stroms.
Das Haus ist an die Fernwärme angeschlossen. Die Wärmewende ist ein zentraler Bestandteil der Energiewende. Rostock hat einen ambitionierten Wärmeplan und setzt auf den Ausbau der Fernwärme, um bis 2045 klimaneutral zu werden. Aktuell deckt Fernwärme 41 % des Gesamtwärmebedarfs der Stadt. Der Großteil der Fernwärme (fast 70 %) wird bisher im GuD Heizkraftwerk der Stadtwerke Rostock AG (SWRAG) in Marienehe aus Erdgas erzeugt. Um den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen und die Fernwärme in Rostock klimaneutral zu gestalten, setzt die SWRAG auf verschiedene Projekte, wie bspw. einen Wärmespeicher, eine windstromgespeiste Power-to-Heat Anlage, eine Abwasser-Wärmepumpe sowie die Einbindung externer Wärmeerzeugung (z.B. Abwärme aus Industrie).
Auf dem Parkplatz der FRIEDA 23 befindet sich ein Carsharing-Parkplatz. Dies ist eine geschützte Abstellfläche, die ausschließlich für offiziell registrierte Carsharing-Autos reserviert ist. Laut Daten der Mobilitätsbefragung Mobilität in Deutschland 2023 sind Autos lediglich 42 Minuten am Tag in Bewegung. PKW nehmen daher bei geringer Auslastung sehr viel Fläche in Anspruch. Laut Bundesverband Carsharing (bcs) kann ein Fahrzeug eines stationsbasierten Carsharingsystems in Deutschland fünf bis 16 Pkw ersetzen.
Das Lastenradkollektiv HELGE ist ein weiteres Projekt im Bereich Mobilität. Verschiedene Lastenräder können kostenfrei an wechselnden nachbarschaftlich und ehrenamtlich organisierten Ausleihstationen ausgeliehen werden (u.a. FRIEDA 23 und Zukunftsladen in Toitenwinkel).
Klimaanpassung an der FRIEDA 23
Parallel zu den Klimaschutz-Projekten wurden in den letzten Jahren weitere Projekte zur Klimaanpassung angestoßen.
Ein Problem in vielen Städten und Gemeinden ist die Versiegelung. Die vielen zugebauten und asphaltierten Flächen lassen kein Regenwasser mehr durch. Einige Flächen können jedoch entsiegelt werden. Das entlastet die Kanalisation und reaktiviert die Böden.
Der Parkplatz der FRIEDA 23 wurde teilentsiegelt und es wurden Rasengittersteine verlegt. Diese lassen das Regenwasser versickern und unterstützen die Bodenkühlung.
Ein nachhaltiger Umgang mit Regenwasser in Siedlungen hilft Mensch und Umwelt. Auf dem Außengelände der FRIEDA 23 befinden sich vielfältige Bäume und Hochbeete. Die KARO gAG hat einen Regenwassertank angeschafft, um eine Bewässerung im Sommer zu ermöglichen. Das schont wertvolle Trinkwasserressourcen, entlastet die Kanalisation bei Starkregen und liefert kalkfreies Wasser für die Pflanzen.
Mit einer Fassadenbegrünung auf der Hofseite der FRIEDA 23 leisten wir einen weiteren aktiven Beitrag zur Klimaanpassung: das Grün kann die Umgebung kühlen, das Mikroklima verbessern, Feinstaub binden und Lebensraum für Insekten bieten. Dazu wurde ein Ranksystem an der Hauswand installiert. Die Kletterpflanze Clematis wurde angepflanzt.
Weitere Projekte in Planung
Die FRIEDA 23 war Teil eines Pilotprojektes der Kulturstiftung des Bundes. Gefragt wurde: Wie kann sich der Kultursektor an den Klimawandel anpassen? Das haben 20 Kultureinrichtungen modellhaft untersucht. Die Klimarisiken, denen die FRIEDA 23 ausgesetzt ist, sind erhöhte Temperaturen in fast allen Räumen durch die großen Fenster, eine Überhitzung im Innen- und Außenbereich sowie Schäden durch Starkregen und Hochwasser.
Das Haus steckt momentan in den Planungen für Verschattungsprojekte. Zum einen soll die Verschattung auf dem Gelände erhöht werden, zum anderen müssen die Räume auf der Südseite in den Fokus genommen werden. Dort ist eine weitere Verschattung dringend notwendig.
Wirkung: Fußabdruck vs. Handabdruck
Viele der baulichen und infrastrukturellen Maßnahmen an der FRIEDA 23 tragen zum Verringern des ökologischen Fußabdrucks des Kulturzentrums bei, indem sie den Verbrauch natürlicher Ressourcen und den CO2-Ausstoß mindern. Darüber hinaus gibt es aber auch Maßnahmen, die einen positiven Beitrag zum gesellschaftlichen Wandel leisten – der so genannte Handabdruck. Wenn man von diesem Handabdruck spricht, verändert das Handeln von Kulturakteuren Denkmuster, eröffnet neue Handlungsspielräume und schafft Allianzen für eine nachhaltige Zukunft. Viele Akteure und Projekte der FRIEDA 23 tragen dazu bei.
Am 24. September 2026 kommt die Kulturstiftung des Bundes in die FRIEDA 23: Netzwerk Zero – Tagung für Nachhaltigkeit in Kunst, Kultur & Verwaltung
Die Heinrich-Böll-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern hat ihren Sitz in der FRIEDA 23. Zahlreiche Veranstaltungen, Ausstellungen und Publikationen ermöglichen dem Publikum den Zugang zu Wissen und aktuellen Debatten, das Einnehmen neuer Perspektiven, Vernetzung und Anknüpfungspunkte für eigenes Handeln: https://www.boell-mv.de
Mit einer Plastik-Inventur durch die Initiative Plastikfreie Stadt in den Jahren 2023-2024 hat sich die KARO gAG aktiv mit ihrem Kunststoffabfall auseinandergesetzt. Nicht erst seit dieser Inventur verzichten die Träger der FRIEDA 23 weitgehend auf Einweggeschirr und -verpackungen und suchen stets nach neuen Wegen, hinsichtlich ihres Plastikmülls noch besser zu werden.
Gemeinsam mit dem Centrum für sexuelle Gesundheit MV wurde im Frühjahr / Sommer 2024 die Ausstattung und Beschilderung der Toiletten reflektiert und dank des intensiven Austauschs mit den Fachleuten einige Änderungen vorgenommen. Dazu zählen etwa Menstruationsartikel-Spender, aber auch eine klarere Beschilderung, die alle Geschlechter einbeziehen soll.
Die FRIEDA 23 ist Teil der AG Zukunft lernen, in der sich die Rostocker Akteure der Bildung für Nachhaltige Entwicklung treffen und austauschen. Gemeinsam werden hier lokale Projekte entwickelt und es wird für die Sichtbarkeit der Ziele für Nachhaltige Entwicklung (Vereinte Nationen) gesorgt.
Bundesweit tätig ist die Green Culture Anlaufstelle, die die Kunst‑, Kultur‑, Kreativ- und Medienbranche berät, vernetzt und Wissen rund um die betriebsökologische Transformation vermittelt: https://www.greenculture.info/